Infrastruktur | 14. November 2022

RhB setzt auf Standardisierung mit Niederspannungslösungen von ABB

Die Rhätische Bahn unterhält im grössten Schweizer Kanton eine umfangreiche Infrastruktur. Für deren Niederspannungsversorgung setzt sie mit einer Standardisierungsstrategie Leistungsschalter und Installationsgeräte von ABB ein, um die Verfügbarkeit zu maximieren und die Effizienz zu erhöhen – vor allem auch in Service und Unterhalt.

Die Rhätische Bahn (RhB) und ABB verbindet eine über 100-jährige Partnerschaft. So lieferten BBC und MFO bereits 1913 die elektrische Ausrüstung für die ersten Elektrolokomotiven. Die ABB-Vorgängerunternehmen waren in der elektrischen Traktionsausrüstung für Lokomotiven genauso führend, wie es ABB heute mit leistungselektronischen Traktionsumrichtern ist, die beispielsweise den neuen Capricorn-Triebzug der RhB antreiben.

 

Während Antriebstechnik von ABB die RhB-Züge voranbringt, sorgen Elektrifizierungslösungen unseres Unternehmens für eine effiziente Stromverteilung in der weit verzweigten Infrastruktur der Rhätischen Bahn.

Infrastruktur-Standorte der RhB über das ganze Kantonsgebiet verteilt

Das Streckennetz ist 385 Kilometer lang und führt durch über 100 Tunnels. Die RhB betreibt Werkstätten und Dienstgebäude zum Unterhalt. Der Anfang 2020 in Betrieb genommene Infrastrukturstützpunkt Landquart ist der Hauptarbeitsort für rund 100 Mitarbeitende der Infrastruktur. Weitere Standorte liegen etwa in Chur, Davos, Klosters, Ilanz, Thusis, Bergün, Poschiavo, Pontresina, Samedan und Zernez Bergün, Ilanz und Poschiavo. Deren Mitarbeitenden bauen und unterhalten den Fahrweg mit Schienen und Weichen, Energie- und Fahrleitungsanlagen, Sicherungsanlagen und sämtliche dem Bahnbetrieb dienenden Niederspannungs- und Telekommunikationsanlagen und sorgen dafür, dass die Strecken und Bahnhöfe zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter sicher und komfortabel genutzt werden können.

All das muss zuverlässig mit elektrischer Energie versorgt werden. «Wir setzen seit vielen Jahren in unseren Schaltgerätekombinationen das Stecksockelsystem SMISSLINE ein, was wir als Materialvorgabe für die Elektroplaner, Installateure und Schaltanlagen definiert haben», erklärt Maurus Cotti, Leiter Niederspannung / Telecom der RhB.

Maurus Cotti im Gespräch mit dem Teamleiter Engineering Christian Broger und Elektroplaner Albert Gisler im neuen Infrastrukturstützpunkt in Landquart (v.l.n.r.).

Früh auf SMISSLINE von ABB gesetzt

RhB zählte auch zu den Unternehmen, die früh das 2018 eingeführte SMISSLINE TP Power Bar für Stromstärken bis 250 Ampere einsetzten – dies vor allem auch im Bereich der Bahnstromversorgung, dessen Netz eine Frequenz von 16 2/3 Hertz aufweist, im Unterschied zu den 50 Hertz im normalen Versorgungsnetz.

SMISSLINE-Fehlerstrom-Leitungsschutzschalter in einem Schaltkasten der RhB.

«Seit 2020 haben wir auch eine Standardisierungsstrategie für die Leistungsschalter in unseren Niederspannungsverteilungen umgesetzt und setzen dafür ABB-Lösungen ein», so Cotti. Die Qualität gab dafür den Ausschlag. Die geringe Grösse des besonders häufig eingesetzten Kompaktleistungsschalters Tmax XT1 sei ein weiterer entscheidender Vorteil des ABB-Portfolios.

Flottenpolitik bei den Leistungsschaltern

«Die Vorteile einer Standardisierung bei den Leistungsschaltern, die wir unseren Elektroplanern und Schaltschrankbauern vorgeben, liegen auf der Hand», erklärt Cotti. «Der Unterhalt wird durch diese ‹Flottenpolitik› ebenso vereinfacht wie die Dokumentation. Wir müssen nur eine überschaubare Anzahl von Schaltertypen als Ersatzteile an Lager halten. Der Service ist eindeutig einfacher geworden, und die technischen Dokumentationen und Schemas konnten vereinheitlicht werden.» ABB kennt die Gerätehistorie der installierten Anlagen und kann darauf zugeschnittene Wartungsvorschläge unterbreiten – was deren Lebenszyklus potenziell verlängert und vor allem den Serviceeinsatz effizienter gestaltet.

Für Neuanlagen gibt RhB der ABB eine ungefähre Prognose ab, wie viele Leistungsschalter welchen Typs im kommenden Jahr ungefähr gebraucht werden. «Bislang lag das in der Grössenordnung von 50 bis 100 Stück pro Jahr», erklärt Urs Schär, zuständig für Beratung und Consulting Elektroplaner bei ABB. Aufgrund dieser Vorhersage nimmt ABB Schweiz die entsprechenden Schalter bei sich lokal an Lager, um sie bei Bedarf rasch ausliefern zu können. «Jeder spezifische Schalter hat dabei eine eindeutige Bestellnummer, über die die RhB bzw. die Anlagenbauer ihn bei uns abrufen können», so Schär.

System zur unterbrechungsfreien Stromversorgung wird auch mit Bahnstrom gespeist

In dem 2020 bezogenen  Infrastrukturstützpunkt der RhB in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Landquart sorgt zudem ein System zur unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) des Typs DPA 250 von ABB dafür, dass die lokale IT-Infrastruktur vor Netzausfällen und -schwankungen geschützt ist. «Für die Wahl dieser Lösung war deren modularer Aufbau entscheidend. Wenn wir künftig mehr Leistung brauchen, wächst diese USV mit uns mit.

Speziell an dieser Lösung für die RhB: Die USV wird über ein 16 2/3-Hz-Modul auch aus dem Bahnnetz gespeist. Wenn also das 50-Hertz-Versorgungsnetz potenziell schädliche Spannungs- und Frequenzschwankungen aufweist oder gar ausfällt, kann die USV nicht nur – wie üblich – auf die gespeicherte Energie in den Batterien zurückgreifen, sondern die Versorgung der ihr angeschlossenen Infrastruktur auch über den Bahnstromanschluss gewährleisten.

Die USV mit dem integrierten 16 2/3-Hz-Modul im Interventionsstützpunkt der RhB.

Die Partnerschaft von RhB und ABB geht ins zwölfte Jahrzehnt. Das Portfolio unseres Unternehmens hat sich über all die Zeit gewandelt und entwickelt – genauso wie die Bedürfnisse unserer Kunden. Gleich geblieben ist die vertrauensvolle Kooperation im Bestreben, auf deren offenes Feedback hin stetig effizientere Lösungen hervorzubringen.