Interview 2 | 18

«Plug-and-Play-Systeme sind für Privathaushalte interessant.»

Interview mit Prof. Dr. Thorsten Schneiders

Prof. Schneiders lehrt und erforscht smarte Technologien an der Technischen Hochschule Köln. Er ist zudem Leiter Technik des Virtuellen Instituts Smart Energy, eines interdisziplinären Netzwerks zur Forschung über die Digitalisierung der Energiewirtschaft.

Inwiefern ist Gebäudeautomation auch für Privathaushalte interessant?

Smart Home wird für Privathaushalte immer wichtiger. Interessant sind vor allem nachrüstbare Plug-and-Play-Systeme. Diese können vom Nutzer eigenständig und ohne zusätzliche Leitungen nachgerüstet und eingerichtet werden.

Welchen Nutzen besitzen Smart-Home-Systeme in der Praxis?

Wir haben in einem Forschungsprojekt über zwei Jahre hinweg Smart-Home-Systeme in 120 typischen Einfamilienhäusern untersucht. Die Teilnehmer nutzen Smart Home gerne als komfortable Steuerung für vielfältige Aufgaben und konnten durch eine intelligente Heizungsregelung mit Zeitplänen und Abschaltautomatiken ihren Heizenergieverbrauch um bis zu 30 % senken.

Welche sonstigen Lehren ziehen Sie aus dem Projekt, gab es auch Überraschungen?

Wir haben festgestellt, dass die Systeme nicht immer so selbsterklärend und einfach zu handhaben sind wie von manchen Anbietern gedacht. Das war eine gewisse Überraschung. Wir haben dann Schulungen durchgeführt, damit unsere Teilnehmer ihr Smart Home nach ihren Wünschen programmieren konnten. Um auf ganzer Breite Erfolg zu haben, müssen Smart-Home-Systeme auch für Nutzer ohne technische Kenntnisse verständlich und bedienbar sein.

Ein Blick voraus: Wie sehen Sie die weitere Entwicklung von Smart-Building-Lösungen?

Die Entwicklung ist sehr spannend. das Feld von Smart Building hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Es gibt immer mehr Komponenten, Funktionen und Möglichkeiten wie die Sprachsteuerung. Das macht es für die Käufer interessanter, sich der Technologie zu nähern. Wir sehen noch viel technisches Potenzial bei Smart-Building-Lösungen für den Einsatz in Haushalten, aber auch in Industrie und Gewerbe. Dies untersuchen wir in weiterführenden Forschungsarbeiten am Virtuellen Institut Smart Energy.