Interview | 4. Mai 2016

ÔÇ×Software-├ľkosysteme werden kommenÔÇť

Interview mit Andreas Dengel

Welche Bedeutung hat Software heute im Alltag und in der Industrie?

Software ist in Alltag und Industrie allgegenw├Ąrtig, sie steuert alles. Medizin, Naturwissenschaften oder Landwirtschaft nutzen Software in v├Âllig neuen Feldern. Suchmaschinen verf├╝gen ├╝ber semantische Netze, wir k├Ânnen mit Systemen sprechen und durch sie Handschriften identifizieren. Roboter spielen Fu├čball im Team, Automobile fahren autonom. Wir leben in einer Welt, die so stark von Software gepr├Ągt ist, dass die reale Welt von der digitalen Welt ├╝berrollt wird.

Damit er├Âffnen sich f├╝r Ihr Wissenschaftsfeld aber auch immer gr├Â├čere Chancen, oder?

Es ist richtig, dass unser Fachgebiet gerade einem Riesenboom erlebt. Aber uns ist klar, dass damit auch Risiken verbunden sind ÔÇô nicht nur in technologischer Hinsicht. Ein Zeichen daf├╝r ist die Initiative, die vor Kurzem von Protagonisten wie Stephen W. Hawking, Steve Wozniak und Elon Musk begr├╝ndet wurde. Sie hat zum Ziel, international g├╝ltige, ethisch-moralisch begr├╝ndete Regeln f├╝r die weltweite Datennutzung und den Software-Einsatz zu schaffen.

Welche Meilensteine hat die Software-Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten passiert?

Ein wichtiger Meilenstein war die Trennung von Algorithmen und Datenstrukturen, die sich in den 1970er-Jahren durchgesetzt hat. Darauf baute die k├╝nstliche Intelligenz mit der Trennung von Logik und Kontrolle auf. Wichtig war und ist auch die objektorientierte Programmierung mit Objekten, die ├╝ber eine Identit├Ąt sowie ├╝ber Wissen ├╝ber das eigene K├Ânnen verf├╝gen und autark mit anderen kommunizieren. Ein weiterer Meilenstein sind die lernenden Systeme: Dahinter steht die Idee, das menschliche Gehirn ├╝ber neuronale Netze auf Rechnern nachzubilden.

Was charakterisiert heute die Software-Entwicklung?

Die heutige Zeit pr├Ągen vor allem extrem hohe Rechnerleistungen, starke Kommunikationsstrukturen und gro├če Datenmengen. Wir erleben cybersoziale Partnerschaften, in denen Menschen mit ihren digitalen Identit├Ąten eng verbunden sind. Hinzu kommt das Internet der Dinge und Services, das auf diesen Grundlagen basiert.

Inwiefern geh├Âren Software, Digitalisierung und Industrie 4.0 zusammen?

Digitalisierung bedeutet, analoge Daten zu diskreten Werten zu transformieren ÔÇô und zwar mit dem Ziel, sie mit Software zu verarbeiten und in Mehrwertdienste umzuwandeln. Die Industrie 4.0 ist ein Ausschnitt dieses Geschehens: Halbdaumengro├če Computer mit eigener ID wissen, was sie k├Ânnen, und handeln mit anderen Computern oder Komponenten aus, wie sie sich selbst konfigurieren, um einem individuellen Kundenwunsch gerecht zu werden. Um ein bestimmtes Material in ein bestimmtes Produkt zu verwandeln, entsteht eine individuelle Ad-hoc-Produktionslinie.

Welche Entwicklungen sind softwaregetrieben in Zukunft zu erwarten?

In Zukunft werden Software-├ľkosysteme kommen, also offene Plattformen mit digitaler Infrastruktur, Standardschnittstellen und entsprechender Architektur, an denen insbesondere auch kleinere Unternehmen einfach, sicher und fair partizipieren k├Ânnen. In diesen neuen Strukturen wird die k├╝nstliche Intelligenz eine wesentliche Rolle spielen, weil sie Digital Companions schaffen, die durch maschinelle Lernverfahren, insbesondere Deep Learning, Daten nicht nur dazu verwenden, objektive, rationale Aspekte zu kategorisieren, sondern auch dazu, Emotionen wie Freude oder Stress wahrzunehmen.