Industrie | 4. Februar 2026

Präzision in Serie: Müller Martini Manufacturing setzt auf ABB-Schweissroboter

Hightech im Entlebuch: Müller Martini Manufacturing in Hasle ist einer der technologisch führenden Zulieferbetriebe für Maschinenbau-Komponenten und Baugruppen in der Schweiz. Das Unternehmen hat seinen Maschinenpark nun mit einer Robotics-Lösung von ABB erweitert, die mit bis zu neun Achsen automatisiert schweisst – effizient und exakt.

Das Entlebuch kennt man primär als naturbelassenes Ausflugsziel. Das erste UNESCO-Biosphärenreservat unseres Landes zeigt mit seinen vielfältigen Naturräumen die Schweiz von ihrer ursprünglichen, authentischen Seite.

Komplettanbieter im Maschinenbau in Hasle

Im Entlebuch, in der Gemeinde Hasle, findet sich mit Müller Martini Manufacturing aber auch ein hochmodernes Industrieunternehmen. Der Komplettanbieter im Maschinenbau vereint Entwicklung, Fertigung, Montage und Logistik unter einem Dach.

«Das Werk hier in Hasle wurde 1970 von Müller Martini aufgebaut, um die die wachsende Nachfrage nach hochwertigen Maschinenkomponenten intern abzudecken», erklärt Herbert Wicki, Managing Director von Müller Martini Manufacturing.

Tochterunternehmen der Müller Martini Gruppe

Müller Martini mit Hauptsitz in Zofingen ist ein weltweit führender Hersteller von Systemen für die Druckweiterverarbeitung. Die Müller Martini Manufacturing AG ist ein Tochterunternehmen der Müller Martini Gruppe. «Fertigungsaufträge aus unserer Firmengruppe machen aktuell rund 50 Prozent unserer Geschäftstätigkeit aus», so Wicki. Gleich gross ist inzwischen das Volumen, das Auftrage von weiteren Kunden in der Schweiz ausmachen.

Michael Mahler, Herbert Wicki und Olivier Keck (v.l.n.r.) bei der neuen Roboterzelle in Hasle .

«Als Komplettanbieter für Maschinenbau-Komponenten vereinen wir sämtliche fachlichen Kompetenzen unter einem Dach – vom Engineering über die Fertigung mit Laserschneiden, Biegen, Schweissen, Fräsen bis hin zu Beschichtung, Montage und selbst Logistik», betont Wicki.

Über 120 Schweissvorgänge für Abwickler-Ständer

Automatisierte Schweissarbeiten wurden bislang von einer Roboterzelle ausgeführt, deren Ende der technischen Lebensdauer sich abzeichnet und die modernen Lösungen bei Leistung wie auch Flexibilität unterlegen ist. «Die Suche nach einer neuen, leistungsfähigeren Robotiklösung für das Schweissen wurde durch den Umstand beschleunigt, dass wir aus der Firmengruppe den Auftrag erhielten, ab Mai 2025 Ständer für einen Abwickler zu fertigen. Das ist eine rund 270 Kilogramm schwere Stahlblechkonstruktion für grosse Papierrollen, deren Fertigung über 120 Schweissvorgänge benötigt», erklärt Michael Mahler, Leiter Produktion und Montage bei Müller Martini Manufacturing. Rund 300 dieser Ständer sollen zukünftig in Hasle pro Jahr automatisiert geschweisst werden.

Primär diesen massiven Stahlblech-Ständer schweisst der ABB-Roboter derzeit.

Für die Evaluation einer Lösung kontaktierten sie – nebst anderen Herstellern – auch Robotics ABB Schweiz, im zweiten Quartal 2024. «Ziel war, dass die neue Lösung alle bisherigen Aufgaben der Roboterzelle übernimmt, den neuen Ständer schweissen kann, und offen für künftige Aufgaben ist», so Mahler. «Bis Mai 2025 musste sie einsatzbereit sein – und in unser Budget passen.»

Lösungsvarianten mit ABB-Experten disktuiert

Mit den Fachleuten von ABB diskutierte das Projektteam von Müller Martini Manufacturing Lösungsvarianten. «Deren Visualisierung mit der Software RobotStudio half dabei sehr», sagt Olivier Keck, Verkaufsingenieur ABB Robotics Schweiz AG. In zwei, drei Runden erarbeiteten sie die passende Lösung. «Wir gelangten zur Überzeugung, dass wir mit ABB eine zukunftsweisende Roboterzelle in der vorgegebenen Zeit zum passenden Preis realisieren können – und erteilten den Auftrag», so Herbert Wicki.

«Wir gelangten zur Überzeugung, dass wir mit ABB eine zukunftsweisende Roboterzelle in der vorgegebenen Zeit zum passenden Preis realisieren können.»

Kernstück der Lösung bildet ein Roboter des Typs IRB 2600-12/1.85, ausgerüstet mit einem Schweisssystem von Fronius. Er ist auf einer 8 Meter (6m Fahrweg) langen Verfahrachse IRBT 2005 montiert. Der IRB 2600 ist mit gleich zwei Positionieren kombiniert: Der IRBP L-2000 verfügt über eine rotierende Achse und kann Werkstücke von bis zu zwei Tonnen aufnehmen. Der zweite Positionierer, der IRB B-750, dreht sich in zwei Achsen und trägt bis zu 750 Kilogramm. «Mit dem Roboter, dem zweiten Positionierer und der Verfahrachse verfügt die Zelle über neun Achsen», erklärt Keck. «So kann der Schweissbrenner auch bei komplexen Werkstücken in der der Vertikalen – der sogenannten Wannenlage – arbeiten, was für das Schweissen ideal ist, da das Schweissbad durch die Schwerkraft kontrolliert nach unten fliesst.» Auf dem IRBP B-750 schweisst Müller Martini Manufacturing den Ständer mit seinen 120 Schweissnähten.

Schulung vor Ort in Hasle

Für Installation und Inbetriebnahme der neuen Roboterzelle entsandte ABB Robotics ihren Experten Jerry Jämsä nach Hasle, Projektingenieur wie auch Schweisstechniker. Anschliessend schulte er drei Schweissspezialisten von Müller Martini Manufacturing direkt vor Ort in der Bedienung und Programmierung der Schweisszelle. So konnte ein rascher Praxistransfer sichergestellt werden – direkt in Verbindung mit der Herstellung der Ständer auf dem neuen Roboter.

Die gesamte bei Müller Martini Manufacturing realisierte Schweisszelle mit beiden Positionierern im Bild.

«Die Roboterzelle konnten wir mit diesem Vorgehen termingerecht im Mai 2025 zum Start der Fertigung der Ständer in Betrieb nehmen», so Michael Mahler. «Die Präzision passte von Beginn an. Inzwischen konnten unsere Spezialisten die Programmabläufe weiter rationalisieren und den gesamten Produktionsablauf optimieren.»

Kooperation kompetenter Teams

«Wir haben unser Ziel erreicht. Ich bin überzeigt, dass das Projekt in dem engen Zeitrahmen so gut ablief, weil auf beiden Seiten kompetente Teams involviert waren», zieht Herbert Wicki ein positives Fazit. «Die Produktion der Ständer ist sehr gut angelaufen. Die weiteren Aufgaben der bald obsoleten Roboterzelle transferieren wir laufend. Und mit der flexiblen Auslegung dieser ABB-Roboterzelle sind wir bereit für neue Kundenaufträge.»

«Mit der flexiblen Auslegung dieser ABB-Roboterzelle sind wir bereit für neue Kundenaufträge.»