Industrie | 24. Februar 2022

Rohstoffquelle Elektroschrott hochgradig ausschöpfen

SchlĂĽsselfertige Recyclinganlagen von SwissRTec mit ABB-Motoren

Elektroschrott dürfte die weltweit am stärksten zunehmende Abfallkategorie sein. SwissRTec in Kreuzlingen konstruiert dafür kundenspezifische Recyclinganlagen, die eine besonders hohe Ausbeute der darin enthaltenen Rohstoffe erlauben – und setzt dafür auf Elektromotoren von ABB.

Elektro- und Elektronikschrott, aber auch Kabel und andere Verbundstoffe in Deponien zu «entsorgen», macht in zweifacher Hinsicht keinen Sinn. Sorgen wird man damit nicht los; sie enthalten – unbehandelt – potenziell umweltschädliche Stoffe. Zudem werden so wertvoller Rohstoffe verschwendet.

Komplexes Recycling von Geräten mit vielen Verbundstoffen

Zwar hält das Konzept der «Kreislaufwirtschaft» zunehmend Einzug in die moderne, nachhaltigere Ökonomie. Doch in der EU liegt die Recyclingrate von E-Abfall bislang bei lediglich knapp 40 Prozent.

Die Wiederverwertung der darin enthaltenen Rohstoffe macht in jedem Fall Sinn. Handarbeit sollte dabei auf ein Minimum reduziert werden, aus Gründen der Gesundheit wie auch der Kosten. Geräte mit viel Verbundstoffen wie etwa Drucker oder Kühlschränke automatisiert zu recyclen, ist allerdings kein einfaches Unterfangen.

SwissRTec fertigt zwei unterschiedliche Anlagetypen

Dafür hat Mario Zöllig 2006 SwissRTec gegründet. Wobei zum Portfolio von SwissRTec auch Recyclinganlagen für Mischmetallschrott, Alu-Verbundstoffe oder Rückstände aus dem Autorecycling zählen. Inzwischen hat das Kreuzlinger Unternehmen mit knapp zehn Mitarbeitenden rund 40 für die kundenspezifischen Bedürfnisse konstruierte Recyclinganlagen in alle Welt geliefert, in die USA ebenso wie nach Indien, Australien, oder in zahlreiche europäische Länder.

«Wir haben zwei unterschiedliche Anlagetypen im Angebot, die jeweils eigenständige Recyclinglösungen sind, sich aber auch ideal ergänzen: Vertikalschredder und Aufschlussmühlen», so Zöllig.

ABB-Motoren in Vertikalschreddern

Anlagen mit Vertikalschreddern sind fĂĽr die primäre Zerkleinerung und Trennung von Elektroschrott, aber auch gemischten Metallen und anderen Abfallstoffen konstruiert. Der Schredder selbst stammt vom japanischen Unternehmen Kubota. «Ich bin stolz darauf, dass ein grosser Konzern vertrauensvoll mit unserem KMU zusammenarbeitet», betont Zöllig. Kubota zählt rund 40’000 Mitarbeitende; SwissRTec hält die Vertikalschredder-Vertriebsrechte fĂĽr Europa und Nordamerika.

Montage eines ABB-Motors bei einem Vertikalschredder von SwissRTec.

Diese Schredder gibt es in verschiedenen Grössen und mit bis zu 1200 Kilowatt Antriebsleistung; bis zu 50 Tonnen Durchsatzleistung des Recyclinggutes pro Stunde sind so möglich. SwissRTec konstruiert und liefert alle Anlagenteile schlüsselfertig dazu, die der Kunde zum Einsatz des Schredders braucht und bestellt, etwa Zu- und Abführung, Separierungslösungen oder den Antrieb. «Dafür verwenden wir grundsätzlich Motoren von ABB», so Zöllig. «Wir setzen bei den eingesetzten Lösungen auf hohe Qualität, um unseren Kunden eine möglichst hohe Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit unserer Anlagen zu bieten.» Die Qualität der ABB-Motoren sei auch den Endkunden ein Begriff. Zudem biete das internationale ABB-Netzwerk lokalen Support und Ersatzteile vor Ort.

Waschmaschine auf 40-Millimeter-StĂĽcke zerkleinern

Der Vertikalschredder selbst zerstückelt das zugeführte Recyclinggut zuerst durch massive Brechwerkzeuge, die mit hoher kinetischer Energie rotieren. Anschliessend zerkleinern Mahlsterne das Material weiter, bis zur gewünschten Korngrösse. So können in einem einzigen Durchgang beispielsweise Waschmaschinen auf Stücke von 40 Millimeter Durchmesser gebracht werden.

Mario Zöllig in seinem Betrieb in Kreuzlingen. Im Glas ist zu sehen, was von einer Waschmaschine übrig bleibt, wenn sie im Vertikalschredder verarbeitet wurde.

Mit Separationslösungen von SwissRTec wie Magnetabscheidung, Wirbelstromseparation, Siebung oder sensorbasierte Sortierung können in der Anlage besonders hohe Reinheitsgrade der recyclierten Materialien wie Eisen, Kupfer oder Aluminium erreicht werden.

Auch AufschlussmĂĽhlen mit ABB-Motoren

Die Aufschlussmühle ist der zweite Anlagetyp im Portfolio von SwissRTec. «Die haben wir selbst konstruiert», betont Zöllig. Gedacht ist sie für das Aufschliessen von bereits zuvor verkleinerten Verbundstoffen, eignet sich also für die Nachbearbeitung von Verbundstoffen, die der Vertikalschredder vorverkleinert und aussortiert hat.

«Typische Verbundstoffe in dem Bereich sind etwa Kabel oder Platinen als Träger von elektronischen Bauteilen», erklärt Zöllig. «Die enthalten insbesondere viel Kupfer. Dieses wertvolle Metall lässt sich durch eine Anlage mit unserer Aufschlussmühle recyclieren.» Auch für ihre Anlagen mit Aufschlussmühlen setzt SwissRTec Motoren von ABB ein. Deren Durchsatz liegt im Bereich von einer bis sechs Tonnen pro Stunde, mit einer installierten Leistung von 160 bis zu 500 Kilowatt.

Robuste Motoren für bislang grössten Vertikalschredder

Beide Anlagetypen sind komplexe Gebilde. Entsprechend konstruiert das KMU in Kreuzlingen im Durchschnitt nur etwa zwei bis drei Recyclinganlagen pro Jahr. «Unser jüngstes Projekt ist unsere bislang grösste Anlage mit einem Vertikalschredder, für einen Kunden in Spanien.» Sie wird mit zwei ABB-Motoren mit einer Leistung von je 400 Kilowatt ausgerüstet.

Rund 12 Meter hoch ist der bislang grösste Vertikalschredder, den SwissRTec für einen Kunden in Spanien realisiert.

«Dafür liefern wir besonders robuste Elektromotoren des Typs M3BP», so Fredi Brändle, Verkaufsingenieur Antriebslösungen von ABB Schweiz für die Ostschweiz. «Für diese anspruchsvolle Anwendung in besonders rauer, vibrationsreicher Umgebung werden sie mit eigens dafür konstruierten Lagern und verstärkten Wellen aus Spezialstahl versehen.» Und die Grossanlage wird mit einer weiteren ABB-Komponente ergänzt: Der in Deutschland ansässige Lieferant für die Steuerung setzt einen Frequenzumrichter von ABB ein.

Für Qualitätsanspruch ABB richtige Partnerin

«Mit unserer Grösse sind wir ein Nischenanbieter im wachsenden Markt der Recyclinganlagen», hält Mario Zöllig fest. «Unsere Nische besteht aus den kurzen Wegen und der direkten Art, mit uns Projekte umzusetzen. Als KMU halten wir die Fäden in wenigen Händen. Und vor allem aus unserem hohen Qualitätsanspruch. Ich bin zuversichtlich, dafür weiterhin mit ABB die richtige Partnerin für die Antriebslösungen unserer Recyclinganlagen an unserer Seite zu wissen.»