Industrie | 11. MĂ€rz 2026

Motor Challenge: ABB suchte die langlebigsten Elektromotoren in der Schweiz

Der GeschĂ€ftsbereich Motion von ABB Schweiz hatte einen Wettbewerb lanciert: Bei wem steht der Ă€lteste Elektromotor in Betrieb? GETEC in Muttenz, Schweizer Zucker in Aarberg und VARO Energy in Cressier meldeten je einen Ü-50-Motor. Und haben dafĂŒr von ABB einen energieeffizienten Motor mit Frequenzumrichter zum Austausch erhalten.

Elektromotoren können eine hohe technische Lebensdauer erreichen. Wenn sie innerhalb der Belastungsgrenzen betrieben und gut gewartet werden, sind sie gewissermassen «unkapputbar». Doch alte Elektromotoren sind weit weniger energieeffizient als moderne Motoren. Dabei ist die Steigerung der Energieeffizienz mit heute verfĂŒgbaren, bewĂ€hrten Technologien eine der wirksamsten Massnahmen in den BemĂŒhungen, Energie zu sparen.

Die Rahmenbedingungen der ABB Motor Challenge
Vor diesem Hintergrund hatte der GeschÀftsbereich Motion von ABB Schweiz Ende 2024 einen Wettbewerb lanciert: Welches Unternehmen in der Schweiz hat den Àltesten Elektromotor in Betrieb? Gesucht wurden Niederspannungsmotoren im Leistungsbereich von 5.5 bis 200 Kilowatt, die noch eine Mindestbetriebszeit von 2000 Stunden im Jahr aufweisen.

GETEC in Muttenz

Zahlreiche Firmen nahmen teil. Die Daten eines besonders alten Motors reichte die GETEC in Muttenz ein: Ein Elektromotor, der auf dem Areal seit sage und schreibe 1953 in Betrieb war, also seit ĂŒber 70 Jahren. Der GETEC PARK.SWISS in Muttenz ist ein bedeutender Industrie- und Dienstleistungsstandort, der auf dem GelĂ€nde ehemaliger Industrieareale von Clariant und Novartis entstanden ist. Er wird seit 2019 von der GETEC Group betrieben und dient als Plattform fĂŒr Industrieunternehmen, insbesondere aus den Bereichen Chemie und Life Sciences. GETEC stellt diesen Unternehmen Infrastruktur, Energieversorgung und Dienstleistungen zur VerfĂŒgung, damit diese sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können.

Video zur Motor Challenge bei GETEC

Motor aus dem Jahr 1953 war 5000 Stunden jÀhrlich in Betrieb
«Der Motor trieb eine Zirkularpumpe an, um einen Kessel warm zu halten, wenn der nicht in Betrieb war», erklĂ€rt Arthur Gebhardt, Verantwortlich fĂŒr Site Devolpment Muttenz & New Technologies bei GETEC. «So stand er pro Jahr rund 5000 Stunden in Betrieb – ĂŒber Jahrzehnte.» Als Ersatz fĂŒr diesen Uralt-Motor erhielt GETEC von ABB einen Synchronreluktanzmotor der Effizienzklasse IE5 mit einer Leistung von 7,5 Kilowatt sowie einen Frequenzumrichter ACS580, um den Motor anzutreiben. Mit dem ACS580 lĂ€sst sich die ideale Drehzahl fĂŒr den Antrieb der Zirkularpumpe finden. Ihn so zu starten ist zudem gut fĂŒr die NetzstabilitĂ€t.

Dieser – gut gewartete – Motor aus dem Jahr 1953 stand bei GETEC 5000 Stunden pro Jahr im Einsatz.

Gute Erfahrungen mit ABB-Motoren gesammelt
«Energieeffizienz ist fĂŒr uns ein wichtiges Thema», ergĂ€nzt Gebhardt. Bei einem Defekt an Ă€lteren Motoren werden sie grundsĂ€tzlich gegen energieeffiziente Synchronreluktanzmotoren ausgetauscht. «Mit ABB-Motoren haben wir dabei gute Erfahrungen gesammelt. Zumal das Unternehmen ATEX-Motoren fĂŒr den Einsatz in explosionsgefĂ€hrdeten Bereichen im Portfolio fĂŒhrt und ein Lager ganz in der NĂ€he unterhĂ€lt, was fĂŒr unser Logistik ein grosser Vorteil ist.»

Arthur Gebhardt von GETEC (links) und Sven Wyss von ABB mit dem neuen Antriebspaket, das den alten Motor ersetzt hat.

Schweizer Zucker in Aarberg

Auf Energieeffizienz setzt auch die Schweizer Zucker AG in der energieintensiven Produktion von Zucker. Aarberg ist einer von zwei Produktionsstandorten der Schweizer Zucker AG. WĂ€hrend der RĂŒbenverarbeitungsphase im SpĂ€therbst – der so genannten Kampagne – verarbeitet das Unternehmen hier die gewaltige Menge von 10’000 Tonnen ZuckerrĂŒben tĂ€glich.  Die umfassende Verwertung von Schweizer ZuckerrĂŒben leistet einen entscheidenden Beitrag zur guten Ökobilanz von Schweizer Zucker. Dazu gehören auch eine hohe Energieeffizienz, der steigende Einsatz von erneuerbaren Energien, die konsequente Weiterverwertung der AbwĂ€rme und die Abwasseraufbereitung bei der Zuckergewinnung.

Video zur Motor Challenge bei Schweizer Zucker

Bei Ersatz konsequent effiziente Antriebslösungen wÀhlen
«Beim Ersatz von Motoren, die am Ende ihrer technischen Nutzungsdauer angelangt sind, setzen wir konsequent auf effiziente Antriebslösungen», so Lukas Möri, Projektleiter fĂŒr Elektroinstallationen am Standort Aarberg von Schweizer Zucker. Wobei Elektromotoren eine ausgeprĂ€gt lange Nutzungsdauer haben können.

Lukas Möri von Schweizer Zucker (links) und Roman Huber von ABB bei den neuen Motoren ....

Zwei MFO-Motoren aus dem Jahr 1967
«Hier standen bis vor kurzem zwei zuverlĂ€ssige Elektromotoren mit Baujahr 1967 im Einsatz. Sie trieben Pumpen an, die Prozesswasser in den KĂŒhlturm beförderten. WĂ€hrend den Verarbeitungskampagnen standen sie 24 Stunden sieben Tage die Woche im Einsatz», so Möri. Als er von der Motor Challenge hörte, meldete er sich mit den Daten der Motoren bei ABB. Die Motoren in Aarberg stammen von der Maschinenfabrik Oerlikon (MFO). Deren Baujahr, 1967, war auch das Jahr, im dem die MFO vom ABB-VorgĂ€ngerunternehmen BBC ĂŒbernommen worden war. So schloss sich 58 Jahre spĂ€ter gewissermassen ein Kreis.

... welche die beiden MFO-Motoren aus dem Jahr 1967 ersetzen, deren Recycling ABB organisiert hat.

Neue IE5-Motoren von ABB fĂŒr Pumpapplikation
Als Co-Sieger der Motor Challenge erhielt Schweizer Zucker von ABB einen modernen Synchronreluktanzmotor der Effizienzklasse IE5 mit einem Frequenzumrichter des Typs ACS880. Den zweiten MFO-Motor ersetzte Schweizer Zucker auf eigene Kosten mit dem gleichen modernen Antriebspaket. Beide weisen eine Leistung von 37 Kilowatt auf. «Mit diesen Motoren der höchsten Effizienzklasse und den Frequenzumrichtern fĂŒr deren geregelten Antrieb verfĂŒgen wir nun fĂŒr diese Pumpapplikation ĂŒber eine technisch fĂŒhrende Lösung, die unseren Energienutzung langjĂ€hrig weiter optimieren wird und mit ihrer ZuverlĂ€ssigkeit die VerfĂŒgbarkeit dieser zentralen Applikation sichert», hĂ€lt Möri fest.

VARO Energy in Cressier

Der dritte Gewinner der Motor Challenge bewĂ€hrte sich ebenfalls weit ĂŒber 50 Jahre lang, in der Romandie, in der heute einzigen Raffinerie der Schweiz. Die riesige Verarbeitungsanlage fĂŒr Erdöl wurde in Cressier am Neuenburgersee errichtet und 1966 in Betrieb genommen. Seit 2012 betreibt sie VARO Energy.

Video zur Motor Challenge bei VARO Energy

Einzige Raffinerie in der Schweiz
Rund 260 hochqualifizierte FachkrĂ€fte arbeiten hier. Das Rohöl bezieht die Raffinerie ĂŒber eine Pipeline, die sie mit dem Hafen der sĂŒdfranzösischen Stadt Fos-sur-Mer verbindet. Etwa 30 Prozent aller in der Schweiz genutzten Erdölprodukte stammen aus der Anlage in Cressier.

Motor stand seit Inbetriebnahme der Raffinerie im Einsatz
Aus dem fernen Jahr der Inbetriebnahme der Raffinerie – 1966 – stammte auch der Elektromotor, den Edy Rizzo, Verantwortlicher Instandhaltungselektriker bei VARO Energy, fĂŒr die Motor Challenge nominiert hatte. «Es war ein kleiner Elektromotor, der hier fĂŒr den Antrieb einer Pumpe im Heizungsbereich im Einsatz stand. Also rund sechs Monate im Jahr rund um die Uhr, annĂ€hernd 60 Jahre lang», so Rizzo.

Dieser Motor fĂŒr eine Pumpenanwendung stand seit Eröffnung der Raffinerie im Jahr 1966 in Betrieb.

Passend dimensionierternMotor mit Umrichter erhalten
Um diesen Methusalem auszutauschen, erhielt Varo Energy als einer der Gewinner der Motor Challenge von ABB einen effizienten IE4-Motor mit einer Leistung von drei Kilowatt, angesteuert von einem Frequenzumrichter ACS580. Diese Kombination sorgt dafĂŒr, dass die Pumpe nur so viel Energie verbraucht, wie sie im Moment benötigt.

Edy Rizzo von VARO und Silvia Gonzalez Ara von ABB bei modernen ABB-Frequenzumrichtern auf dem GelÀnde der Raffinerie.

Energieeffizienz auch bei kleinen Motoren gefragt
«Bei der Instandhaltung unserer Anlage achten wir selbst auch beim Ersatz kleiner Motoren auf Energieeffizienz, um unsere Nachhaltigkeitsziele zu erreichen», so Rizzo. Varo Energy investiert viel, um die CO2-Emissionen wÀhrend des Betriebs zu reduzieren. Die Raffinerie war Pionierin bei der industriellen Integration von Biokraftstoffen der zweiten Generation, die aus AbfÀllen oder wiederverwerteten Materialien gewonnen werden und nicht in Konkurrenz zu Lebens- oder Futtermitteln stehen. Sie verwertet ihre AbwÀrme, indem sie mit ihr ein regionales FernwÀrmenetz versorgt und so Tausende von fossilen Heizsystemen ersetzt. Schliesslich betreibt die Raffinerie auch die leistungsstÀrkste Boden-Solaranlage der Schweiz, die zu Spitzenzeiten bis zu 60 Prozent des eigenen Strombedarfs deckt.

Der neue ABB-Motor bei VARO Energy fĂŒr die Pumpenanwendung.

Fazit der ABB Motor Challenge

Rund 50 % des globalen Stromverbrauchs entfallen auf Elektromotoren in der Industrie. Mit modernen, energieeffizienten – und fĂŒr die Anwendung richtig dimensionierten – Antriebssystemen kann eine bedeutende Einsparung erzielt werden. Die ABB Motor Challenge bot einen spielerischen Wettbewerb, um den Einsatz effizienter Antriebslösungen zu fördern. Unser Dank gilt allen Unternehmen, die am Wettbewerb teilgenommen haben.