Industrie & Verkehr 3 | 20

Schweizer Qualität aus Arth im Bad

ABB-Roboter emaillieren

Die Wilhelm Schmidlin AG ist die einzige Schweizer Herstellerin von Bad- und Duschwannen aus emailliertem Stahl. Rund jede zweite hierzulande installierte Stahlwanne stammt aus deren Werk in Oberarth. Bei der Fertigung seiner Qualitätsprodukte in zahlreichen Varianten setzt das Familienunternehmen auch sechs ABB-Roboter ein.

Wenn etwas «aus einem Guss» ist, wird damit eine makellose Leistung beschrieben. Bei den Badewannen der Wilhelm Schmidlin AG wäre «aus einem Zug» zutreffender. Firmengründer Wilhelm Schmidlin nahm 1961 eine leistungsstarke Tiefziehpresse mit einer Presskraft von 630 t in Betrieb. Durch ein ausgeklügeltes Verfahren gelang es ihm, als weltweit erster Anbieter die Badewannen 45 cm tiefzuziehen. Dabei wird ein gut 2 mm dickes Stahlblech über eine Form – gewissermassen das Negativ der Wanne – gelegt und von der Presse in die gewünschte Gestalt gezogen. Makellos, weitgehend ohne ausgedünnte Stellen.

Diese Presse steht im Schmidlin-Werk in Oberarth noch immer im Einsatz, beschickt von einem ABB-Roboter. Sie wird aktuell durch eine modernere Hochleistungspresse mit nachgelagertem 3-D-Laser ergänzt. Die Wilhelm Schmidlin AG ist die einzige Schweizer Herstellerin von Bad- und Duschwannen sowie Waschbecken und Duschflächen aus Stahl und Email. Das Unternehmen mit rund 80 Mitarbeitenden weist bei den Stahlwannen einen Marktanteil in der Schweiz von rund 50 % auf – und ist derzeit daran, für seine individuell gefertigten Qualitätsprodukte auch in den USA einen Vertrieb zu etablieren.

Damit ist die Wilhelm Schmidlin AG gewissermassen ein «Hidden Champion»: ein Familienbetrieb, in der Fachwelt gewiss bekannt, in der breiten Öffentlichkeit etwas weniger, mit beträchtlichem Marktanteil und solidem Wachstum.

Erster Roboter bereits 1974

«Um uns im Markt zu behaupten und zuzulegen, entwickeln wir uns stetig weiter, setzen neue Lösungen und Methoden ein», betont Betriebsleiter Guido Singer. So nahm die Wilhelm Schmidlin AG bereits 1974 den ersten Roboter in Betrieb, um die Emaillierung teilweise zu automatisieren.

Und seit bald zehn Jahren setzt das Unternehmen konsequent die aus Japan stammende Kaizen-Arbeitsphilosophie um. Für diese «Veränderung zum Besseren» ruht das Werk jeden zweiten Mittwoch. Alle Mitarbeitenden durchleuchten den ganzen Tag die Arbeitsprozesse in kleinen Teams, erarbeiten Verbesserungsvorschläge und setzen sie möglichst auch gleich um.

«Um uns im Markt zu behaupten und zuzulegen, entwickeln wir uns stetig weiter, setzen neue Lösungen und Methoden ein.»

«Damit haben wir bislang erreicht, dass sich die Fertigungsdauer mancher Produkte nicht mehr in Wochen, sondern in Tagen bemisst», erklärt Singer. So kam «Schmidlin Vario» zustande: Kunden können jedes beliebige Mass einer Wanne oder Fläche in 1-cm-Schritten bestellen und erhalten ihr individualisiertes Produkt innert zehn Arbeitstagen – bei einer «Subito»-Bestellung gar innert vier. In der Fertigung wird mit Losgrösse 1 gearbeitet: Am Hänge-Fördersystem werden die Wannen, Becken und Duschflächen von aussen gesehen bunt gemischt zum Durchlaufofen transportiert, wo das Email bei 860 °C eingebrannt wird. Jedes Teil lässt sich durch einen RFID-Transponder identifizieren.

«Flexibilität, Geschwindigkeit und Individualität bei gleichbleibend hoher Qualität sind unsere Stärken, durch die wir uns auch gegen die günstigeren Mitbewerber aus dem Ausland behaupten können», so Singer.

Dabei helfen ABB-Roboter mit. Derzeit sind sechs im Einsatz. Ein mächtiger IRB 6640 legt die Stahlplatten in die Presse ein und gibt die gezogenen Rohlinge dann zum Zuschneiden weiter. Und in der Produktionslinie für die Waschbecken verschweisst ein kleiner IRB 1600ID selbstständig die Ecken der Becken.

Vier Beschichtungsroboter für Emaillierung

In den Spritzkabinen des Emaillierwerks sind vier Beschichtungsroboter von ABB am Werk. Die Emaillierung umfasst zwei Schritte: zuerst die Grundierung, dann die Deck-Emaillierung mit der gewünschten Farbe. In einer Zelle für Standardwannen beschichten zwei Roboter Seite an Seite. In zwei weiteren Zellen emailliert zuerst je ein Roboter den grössten Teil der Wannen; dann übernimmt ein Mitarbeitender und sorgt für das perfekte «Finishing» der Emaillierung.

Die Roboter programmieren Mitarbeitende von Schmidlin selbst, wobei sie inzwischen eine umfassende Bibliothek mit Hunderten von Beschichtungsprogrammen für eine Vielzahl an Wannenformen aufgebaut haben. «Die ABB-Roboter funktionieren in diesem anspruchsvollen Umfeld seit Jahren überaus zuverlässig», erklärt Singer.

Die Automatisierung helfe mit, die Kosten im Griff zu halten, die Produktionsmenge zu steigern und die Qualität zu sichern – zumal die Roboter mühsame Aufgaben übernähmen. Stahlplatten in eine Presse zu legen und den Rohling zu entnehmen, sei monotone Schwerstarbeit. Das Werk in Oberarth sei die einzige Produktionsstätte der Wilhelm Schmidlin AG. Eine Auslagerung ins Ausland habe nie zur Diskussion gestanden.

«Mit unserem engagierten, sich stetig weiterentwickelnden Team und der partiellen Automatisierung durch die Roboter in der Produktion können wir unsere Stärken im Markt ausspielen: schnell auf Kundenwünsche eingehen und die Kunden umgehend mit qualitativ hochstehender Massarbeit beliefern», hält Guido Singer abschliessend fest.

Weitere Infos: robotics@ch.abb.com