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Einsparungen durch Renovation

Studie zu einer Totalsanierung eines Personalrestaurants liefert überraschende Resultate

Das Personalrestaurant ABB Segelhof in Baden-Dättwil war in die Jahre gekommen. Wie viel Energie und Wasser würden sich nach einer Totalsanierung der Küche einsparen lassen? Eine zweijährige Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften lieferte überraschende Resultate.

Glauben Sie allen Versprechungen, die in der Werbung gemacht werden? Höchstwahrscheinlich nicht. Denn Produktehersteller tendieren bisweilen dazu, Dinge zu beschönigen – sei es die Wirkung einer Medizin, den Benzinverbrauch oder die Effizienz technischer Geräte. Deshalb war sich auch Anton Bucher, Project Manager Planning & Construction von SV Schweiz, nie zu 100 Prozent sicher, wie viel Energie sich mit den neuen Küchengeräten des Herstellers Frima wirklich einsparen liesse. «Versprochen werden Energieeinsparungen zwischen 40 und 70 Prozent», sagt Anton Bucher. Aufgrund seiner Zweifel ging er mit diesen Zahlen aber nie hausieren.

Szenenwechsel: Das Personalrestaurant ABB Segelhof in Baden-Dättwil. Seit 1960 wurde das Restaurant nur geringfügig erneuert; die Küche blieb in all den Jahren beinahe unverändert. Doch das Dach bedarf einer dringenden Sanierung, das Lokal wirkt veraltet und die Küchengeräte sind in die Jahre gekommen. Die ABB entscheidet sich zur Rundumerneuerung. Das Ziel: Das Personalrestaurant soll nach dem Umbau in Sachen Nachhaltigkeit neue Massstäbe setzen. «Energieeffizienz ist für die ABB ein Schlüsselthema», sagt Ralf Jäger von der ABB Immobilien AG. Das Lokal soll zur «Green Oasis» werden. Erreichen will man das Ziel mit intelligenter Gebäudetechnik und einer neuen Küche.

Beginn einer komplexen Studie

Was uns zurück zu Anton Buchers Fragezeichen bezüglich Energieeffizienz bringt. Denn die Partner ABB und SV Schweiz gehen sogar noch einen Schritt weiter: Sie wollen den Umbau der Küche für eine Falluntersuchung zur Energie- und Wassereinsparung durch die Modernisierung einer Küche nutzen. Mit der Studie betraut wird 2014 die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Heinzelmann (siehe auch Kasten «Die Beteiligten»). Um aussagekräftige Resultate zu erhalten, muss die Studie langfristig angelegt werden.

«Als grösste Knacknuss erwies sich die Vielzahl an Verbrauchsstellen in der Grossküche und aus energetischer Sicht der komplexe Ablauf mit diversen Einflussfaktoren bei der Essenszubereitung», sagt ZHAW-Professor Andreas Heinzelmann heute. Um aussagekräftige Resultate zu erhalten, müssen zwei Messungen durchgeführt werden – die erste im Frühjahr 2014 in der alten Küche, die zweite Messung nach dem Umbau im Frühjahr 2015 mit den neuen Geräten in der modernisierten Küche. Damit nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden, müssen die Messungen während der gleichen Jahreszeit und mit vergleichbaren Mahlzeiten stattfinden. «Entscheidend war die Langzeitplanung der Menus», verdeutlicht Anton Bucher von SV Schweiz. Am 24. April 2014 ist es soweit und die erste Testreihe beginnt. Über zwei Monate hinweg liefern die Messgeräte Daten an eine zentrale Datenbank. Ende Juni 2014 ist die Messreihe vorbei.

Das überraschende Resultat

Damit beginnt der Umbau. Das Dach wird saniert, das Gebäude erhält eine neue Heizung, bessere Isolationen und eine neue Ventilation. Und eine neue Küche: Multifunktionale VarioCooking-Gargeräte von Frima mit schnelleren Aufwärmzeiten werden installiert, der Grundriss heutigen Anforderungen angepasst. Das Glanzstück des Umbaus ist der neue, attraktive Frontcooking-Bereich im Stil einer alten italienischen Küche und mit direkter Ausgabe der Gerichte an die Gäste. Zudem wird das Restaurant auf 440 Sitzplätze erweitert. «Wir haben keine Mühe gescheut, um das Lokal zum Blickfang zu machen», sagt Anton Bucher. Um den Neuanfang zu verdeutlichen, erhält das Restaurant einen neuen Namen: Foodorama. Damit ist der Weg frei für die zweite Messreihe, die im April 2015 beginnt und wieder zwei Monate dauert.

Die Beteiligten sind vom Resultat begeistert. «Obwohl wir einen höheren Stromanschlusswert haben, verbrauchen wir weniger Energie», freut sich Anton Bucher. Tatsächlich können sich die Zahlen sehen lassen: Die Stromeinsparung bei den elektrischen Geräten beträgt über 34 Prozent; der Wasserverbrauch sank sogar um über die Hälfte pro Hauptmahlzeit (siehe Kasten «Die Einsparung in Zahlen»). «Ein überraschendes Resultat, das ich so nicht erwartet hatte», sagt Prof. Andreas Heinzelmann. Es habe sich aber auch gezeigt, dass nicht nur neue Geräte eine wichtige Rolle spielten: «Entscheidend ist die korrekte Bedienung der Geräte.» Eine gute Schulung sei unabdingbar.

Ebenfalls hochzufrieden ist Ralf Jäger von der ABB Immobilien AG. «Unsere Erwartungen sind übertroffen worden», sagt er. Es handle sich um eine Erfolgsgeschichte für die Partner und er ist sich sicher, dass bei weiteren Sanierungen das Konzept weiterverfolgt werden wird.

Und Anton Bucher weiss nun endlich, dass es sich bei den Einsparungen, die zu neuen Geräten angegeben werden, nicht um leere Versprechungen handelt. Er schliesst: «Die Investition in neue Geräte hat sich im ABB Foodorama in Dättwil rundum gelohnt!» Den Werbeversprechungen blind vertrauen würde er aber trotzdem nicht.

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Die Beteiligten

Die Studie entstand im Auftrag von SV Schweiz, der ABB Immobilien AG und dem Küchengerätehersteller Frima. Erstellt wurde sie vom Institut für Energiesysteme und Fluid Engineering (IEFE) der Zürcher Hochschule für Angewandten Wissenschaften (ZHAW). Die Untersuchungen führten die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Fachgruppe Leistungselektronik und elektrische Speichersysteme unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Heinzelmann durch. Von ABB wurden die geeichten Messgeräte zur Verfügung gestellt. Der Gerätehersteller Frima beteiligte sich finanziell.