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Energie für die Schokoladenproduktion

Schutz- und Leittechnik sowie Schaltanlagen für EBL-Unterwerk bei Salina Raurica

Zwischen Pratteln und Augst entsteht das Gewerbe- und Wohngebiet Salina Raurica. Teil davon ist ein grosses Lebensmittelproduktionszentrum. Für die zuverlässige Stromversorgung des Areals sorgt ein neues Unterwerk von EBL. Schutz- und Leittechnik sowie die 13,6-kV-Schaltanlage stammen von ABB.

Schweizer essen im Durchschnitt pro Jahr rund zwölf Kilogramm Schokolade – ein internationaler Spitzenwert. Ein Teil der Süsswaren zur Deckung dieses Bedarfs kommt künftig aus Pratteln. Coop baut dort ein neues Produktionszentrum. Die Mitarbeitenden werden darin alle aus der Schweiz stammenden Schokoladen-Eigenmarken des Detailhändlers herstellen. Zusätzlich werden sie Dörrfrüchte produzieren und Wein abfüllen.

Das Zentrum ist der erste Gebäudekomplex in Salina Raurica. Am Rhein, zwischen dem Industriegebiet Schweizerhalle und der Römersiedlung Augusta Raurica, entsteht in den kommenden Jahren dieser neue Stadtteil mit Gewerbe- und Wohnbauten. Er ist die grösste wirtschaftliche Entwicklungszone im Kanton Basel-Landschaft.

Um genügend Energiekapazität für das Gebiet sicherzustellen, hat das Versorgungsunternehmen EBL im vergangenen Jahr eine moderne Stromzentrale bauen lassen – das Unterwerk Raurica. Die Arbeiten leitete BKW als Generalunternehmerin.

Schutz- und Leittechnik von ABB

Das Unterwerk wandelt die 50-kV-Spannung aus dem übergeordneten Netz in 13,6 kV um und verteilt den Strom auf die angeschlossenen Verbraucher. Neben der Bereitstellung der Energieversorgung des neuen Stadtteils entlastet das Werk auch die EBL-Unterstation Lachmatt.

Für den Betrieb von Unterwerken und für die Gewährleistung der Netzstabilität ist eine zuverlässige Schutz- und Leittechnik erforderlich. ABB spielt in diesem Bereich seit jeher eine führende Rolle. So stecken auch im Unterwerk Raurica entsprechende Systeme von ABB. Sie ermöglichen die Steuerung der Anlage von der übergeordneten Netzleitstelle der EBL in Liestal aus. Mit ihrer Hilfe lassen sich zum Beispiel die nötigen Umschaltungen im Netz vornehmen, wenn Wartungsarbeiten an Leitungen oder Transformatoren in der Umgebung nötig sind. Bei Fehlern – etwa bei einem Erdschluss in einer abgehenden Leitung – schalten sie zudem automatisch und selektiv die betroffenen Netzteile ab und senden die entsprechenden Meldungen an die Netzleitstelle.

Dass ABB die Schutz- und Leittechnik im neuen Unterwerk umsetzen sollte, war für die EBL von Beginn weg klar. Diese Vorgabe schrieb das Unternehmen bereits in die Ausschreibung. «Wir verwenden im Bereich Schutz und Steuerung seit Langem ABB-Lösungen und sind sehr zufrieden mit den Produkten und dem umfassenden Support», verdeutlicht Thomas Wenger, Leiter Energietechnologie bei der EBL. Zusammen mit Schutzingenieur Matthias Wolf ist er auf der Seite des Energieversorgers für das Unterwerk verantwortlich.

Professionelle Zusammenarbeit

Die Steuerung der Anlage und ihre Anbindung an die Leitstelle laufen über das ABB-Stationsautomationssystem RTU560 sowie über das Kommunikationsgerät FOX515. Über ein webbasiertes Human-Machine-Interface können EBL-Mitarbeitende nötigenfalls das Unterwerk vor Ort kontrollieren. Für Schutz und Steuerung der beiden Schaltanlagen kommen Geräte der Relion-Serie zum Einsatz. Die gesamte Technik nutzt den heute gängigen Kommunikationsstandard IEC 61850. Teil der ABB-Systeme ist auch ein Transformatorregler, der für konstante Spannung bei variierender Last sorgt.

ABB war neben der Lieferung der Produkte auch zuständig für das Engineering und die Inbetriebsetzung. Die Systeme lassen sich flexibel konfigurieren und an die spezifischen Anforderungen und die Umgebung anpassen.

«Wir haben die Zusammenarbeit mit ABB als extrem professionell erlebt. Wir konnten die technischen Details unkompliziert direkt mit den Verantwortlichen besprechen. Sie sind auf unsere Bedürfnisse sehr gut eingegangen. Den Satz ‹Das geht nicht!› haben wir nie gehört», blickt Wolf zurück.

Effiziente Abwicklung

Neben der Schutz- und Leittechnik lieferte ABB die gasisolierte 13,6-kV-Mittelspannungsschaltanlage mit 15 Feldern des Typs ZX2. Sie zeichnet sich durch eine hohe Betriebsverfügbarkeit und eine kompakte Bauweise aus. Letzteres war ein wichtiges Kriterium, da das Platzangebot im Unterwerk beschränkt ist.

Eine Herausforderung im Projekt war der enge Zeitplan. Baubeginn war im Dezember 2014. Die Lieferung der Schutz- und Leittechnik begann im Mai 2015; die Lieferung der 13,6-kV-Schaltanlage erfolgte im September 2015. Die Inbetriebsetzung mit den Tests fand von August bis Dezember 2015 statt.

«Die konsequente Termineinhaltung war die Voraussetzung für den Erfolg. Das haben alle Beteiligten gut gemeistert», freut sich Wolf. «Generell hat das Zusammenspiel der verschiedenen Partner ausserordentlich zufriedenstellend funktioniert», ergänzt Wenger.

Seit Anfang 2016 speist das Unterwerk Strom ins Netz. Der Betrieb läuft problemlos. Im Februar konnte die EBL die beiden Leitungen zur Baustelle des Coop-Produktionszentrums zuschalten. Damit steht künftig zuverlässig Energie bereit, um Nachschub für Schokoladenliebhaber zu liefern.

BKW

Die BKW-Gruppe ist ein international tätiges Energie- und Infrastrukturunternehmen mit Sitz in Bern. Sie plant, baut und betreibt Energieproduktions- und Versorgungsinfrastrukturen für Unternehmen, Privatpersonen und die öffentliche Hand. Mit ihrem Verteilnetz – dem grössten der Schweiz – versorgt sie eine Million Menschen rund um die Uhr mit Strom.

Weitere Infos: www.bkw.ch

EBL (Genossenschaft Elektra Baselland)

Strom, Wärme und Telekommunikation sind die Kerngeschäfte der EBL. Das Unternehmen setzt sich für eine ökologische Energiegewinnung ein und leistet damit einen Beitrag zum nachhaltigen Schutz der Umwelt. Vom Haushalt bis zur Industrie ist die EBL ein kompetenter Ansprechpartner im Bereich der intelligenten Wärmeerzeugung und -verteilung sowie ein führender Anbieter für überregionale Telekommunikationsdienstleistungen.

Weitere Infos: www.ebl.ch