Energietechnik 1 | 17

Sichere Energieversorgung

Seeländer Projekt mit Weitblick

Stetig steigender Bedarf an elektrischer Energie und eine geplante Autobahnumfahrung machten den Bau einer neuen Messstation in Brügg nötig. Sie ist mit zwölf MS-Schaltfeldern für eine Wiederverkäufergemeinde eine der grössten hierzulande.

Seit April 2016 bildet die neue Messstation mit einer Mittelspannungsverteilung von ABB das Herzstück im Elektrizitätsversorgungsgebiet der Einwohnergemeinde Brügg. Daniel Mathys, Leiter der Elektrizitätsversorgung Brügg, ist stolz auf die neue Station, war die Umsetzung des Neubaus doch ein Grossprojekt, das ohne Stromunterbruch realisiert werden konnte. Durch veränderte Anforderungen und dank politischer Weitsicht fand das Projekt breite Unterstützung.

Die alte Messstation aus dem Jahr 1967 war bezüglich Technik und Kapazität an ihre technischen Grenzen gestossen. Die elektrische Energie der zwei Lieferanten BKW und Müve (Müllverwertung Biel-Seeland) wird über die Messstation von Brügg in das Gemeindegebiet verteilt. Die Elektrizitätsversorgung Brügg verkauft rund 33 Mio. kWh pro Jahr, wobei mittlerweile 1,9 Mio. kWh aus Photovoltaikanlagen stammen.

Strom für Umfahrung Biel

Definitiver Auslöser für eine neue Messstation war das Projekt A 5, das mit der Verbindung von Solothurn nach Neuenburg eine der letzten Lücken im Schweizer Nationalstrassennetz schliessen wird. Mit dem sogenannten A-5-Ostast muss das Verteilnetz von Brügg mit 7 MW Mehrbelastung rechnen. Der A-5-Westast soll bis 2028 abgeschlossen sein, was zu einer zusätzlichen Mehrleistung von 7 MW führen wird.

«Wir haben uns über mehrere Jahre informiert, welche Schaltanlage infrage kommen könnte», sagt Daniel Mathys, der bald 24 Jahre für Brügg tätig ist. «Schliesslich geht es im Versorgungsgebiet mit 45 Trafostationen um den Haupteinspeisepunkt.» Der Auftraggeber formulierte schliesslich klare Anforderungen. SF6-frei stand bei der Produktewahl für die mit dem Label «Energiestadt» ausgezeichnete Einwohnergemeinde Brügg ausser Frage. Weiter wurde entschieden, ein Mittelspannungsmessfeld mit Fehlerortung einzusetzen.

Eine Reise nach Italien habe sich bezüglich Evaluation und Abnahme auf alle Fälle gelohnt, erzählt Daniel Mathys aus Kundensicht. In Dalmine bei Bergamo befindet sich eine ABB-Fabrik mit einem Smart Grid Laboratory. Hier können Kunden Produkte live testen. Zusammen mit der Projektleitung seien sie im März 2016 nach Dalmine gefahren und hätten vor Ort das Verkaufsteam aus der Schweiz getroffen, so Daniel Mathys. Die Arbeitsabläufe und das Sicherheitsbewusstsein seien beeindruckend gewesen.

Mit Sensortechnik ausgestattet

Betreut wurde das Projekt von ABB Zuzwil. «Wir waren mit den gegebenen Platzverhältnissen gefordert und konnten für Brügg eine intelligente, kostengünstige und kompakte Lösung schaffen», kommentiert Verkaufsingenieur Daniel Schneider. Sämtliche Leistungschaltfelder sind mit Sensortechnik ausgestattet. Weiter verfügt die Anlage über die geforderte Schutztechnik, mit dem neuen Schutzgerät REF615 G von ABB. In der zweiten Hälfte 2017 wird der A-5-Ostast dem Verkehr übergeben. Dann wird auch die Gemeinde Brügg bestens vorbereitet sein.