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Lichtszenarien im Miniplex

KNX-Lösung für Bar und Kino «Houdini» in Zürich

Das Houdini ist Zürichs jüngster Kinokomplex, wobei der grösste der fünf Säle ganze 54 Sitzplätze aufweist. Eine KNX-Lösung mit Geräten von ABB sorgt für die passenden Lichtszenarien im lauschigen Multiplexkino und in der Bar.

Die 2014 fertiggestellte Genossenschaftssiedlung Kalkbreite sorgt weit über Zürich hinaus für Aufsehen. Die zentral gelegene Wohn- und Gewerbesiedlung gilt als gelebtes Beispiel dafür, wie in einer 2000-Watt-Gesellschaft städtisches Leben und Arbeiten in ansprechender Architektur ermöglicht werden kann – die Zukunft des verdichteten Wohnens, Schaffens und Geniessens.

Als Hauptmieter für die gewerblich genutzten Räume suchte die Genossenschaft einen Kinobetreiber. Als sogenannter «Anchor» sollte er möglichst viel externes Publikum anziehen, wovon auch die benachbarten Dienstleister würden profitieren können.

Die Anfrage dafür ging an die Neugass Kino AG, welche in Zürich und Luzern die erfolgreichen Arthouse-Kinos Riffraff beziehungsweise Bourbaki betreibt. «Wir haben uns die Gegebenheiten vor Ort angeschaut, eine Machbarkeitsstudie erstellt – und abgesagt», erinnert sich Res Kessler, in der Geschäftsleitung zuständig für Finanzen, Personal und Betrieb.

Architektonische Besonderheiten

Die Siedlung erhebt sich über der vormals offenen, riesigen Tramabstellanlage, die nun als überdecktes Tramdepot genutzt wird. Auf deren Dach wurde der begrünte Innenhof des Blockrandbaus eingerichtet. «Diese architektonischen Randbedingungen liessen es nicht zu, in die Überbauung einen grösseren Kinosaal zu integrieren. Und ohne Hauptsaal mit mindestens hundert Plätzen sahen wir keine ökonomisch hinreichende Perspektive für den Betrieb eines Kinokomplexes», erklärt Kessler.

Trotz Absage blieb die Idee mit dem Kino in der Kalkbreite in den Köpfen des Neugass-Teams hängen. Wieso nicht aus der Not eine Tugend machen? Statt der üblichen Kaskade – Filmpremiere im grossen Saal, später Vorführung im mittleren, schliesslich im kleinen, bis den Streifen niemand mehr sehen möchte – einen Cluster von kleinen Sälen anbieten, die sich flexibel programmieren lassen – mit sonst nicht gezeigten Filmen aus Sparten, die erwartungsgemäss ein kleines Publikum anziehen, sowie mit Werken, die auch anderswo laufen, aber nicht im gemütlichen, intimen Rahmen wie ihn das Houdini bietet.

Auf Entscheidung zurückgekommen

Nachgedacht und doch noch realisiert: Mitte August 2014 eröffnete die Neugass Kino AG das Houdini – fünf Säle mit 32 bis 54 Plätzen und eine Bar. «Es ist das erste von Grund auf für die digitale Projektion gebaute Kino der Schweiz», so Kessler. Das heisst, die Server für die fünf Kinos stehen nebeneinander im Keller. In den Sälen konnte die Vorführkabine so weit verkleinert werden, wie es der Raumbedarf für den Projektor sowie die Niederspannungsverteilung und -steuerung zuliessen.

Mit der Steuerung der über 100 Lichtkörper im jüngsten, erfolgreich gestarteten Kinokomplex Zürichs per KNX wurde die all-com AG beauftragt. «Dafür wählten wir die bewährten KNX-Komponenten von ABB», führt René Locher von der all-com aus. «Wir kennen deren Zuverlässigkeit aus vergangenen Projekten und wissen, wie wir sie parametrisieren müssen. Und wir schätzen den Support durch ABB.»

Belichtungsmodi in Szenen wählbar

Die Visualisierung hat all-com mit der «ABB EisBär KNX» genannten Lösung realisiert. «Die gewünschten Belichtungsmodi in den verschiedenen Räumen werden damit in einzelnen Szenen zusammengefasst», erklärt Christian Blumer, Verkaufsingenieur für KNX-Systeme bei ABB Schweiz. «In der Grundeinstellung sehen die Mitarbeitenden hier auf dem Panel bloss sechs Buttons, um die gewünschte Beleuchtung passend zur Tageszeit und zum Anlass einzustellen.» Lichtschalter gibt es im Houdini keine; das Licht wird ausschliesslich über das Touch-Panel geregelt.

Auf einer zweiten Visualisierungsebene ist jeder Grundriss abgebildet, sind alle Lichtkörper einzeln erfasst. Diese lassen sich individuell regeln, wenn Bedarf dafür besteht. Auch neue Belichtungsszenen können hier angelegt oder bestehende verändert werden. «Die Programmierung dieser umfassenden Visualisierung für einfache Bedienung in der ersten Ebene wie auch detailreiche Eingriffsmöglichkeiten für den Endkunden in der zweiten Ebene war in etwa zwei Wochen umgesetzt», so Locher.

In den Kinosälen besteht über eine Crestron-Schnittstelle eine Verbindung mit der Steuerung des Projektors. So wird zu Filmbeginn und -ende wie auch in der Pause die Beleuchtung automatisch angepasst – und zu Beginn die Lüftung des Projektors aktiviert, der eigentliche Auftakt zur Kinovorstellung.

«Wir sind sehr zufrieden mit dieser Automationslösung für unsere Beleuchtung», hält Res Kessler abschliessend fest. «Uns gefällt, wie einfach die Steuerung für die alltäglichen Bedürfnisse ist. Aber auch, dass wir selbst Details anpassen können.»

all-com AG

ist ein KNX-Spezialist mit Sitz in Winterthur, der sich der kundenspezifischen Vereinfachung der Wohn- und Arbeitsumgebung durch Automation verschrieben hat – mit Referenzen in der Schweiz und im Ausland. Auch moderne Telematik für Kommunikations- und Multimedia-Lösungen zählen zum Portfolio.

Weitere Infos: www.all-com.ch