Industrie & Verkehr | 16. Juli 2018

Digital entworfen, geplant und gebaut

Architekturprojekt DFAB HOUSE wendet neues Holzbauverfahren an

Im Architekturprojekt DFAB HOUSE schaffen gleich mehrere neuartige, digitale Bautechnologien zum ersten Mal den Sprung vom Labor in die Praxis. Dank ABB-Technik wird das innovative GebÀude zum Smart Home.

Die Digitalisierung im Holzbau ist nichts Neues. Einzelne Bauelemente werden schon seit einigen Jahren mit computergestĂŒtzten Anlagen gefertigt. Dennoch kann die Architektur heute dank der digitalen Bauweise auf fundamental neue Formen und Ausdrucksweisen hoffen. In den vergangenen Monaten haben Forschende der Professur fĂŒr Architektur und digitale Fabrikation der ETH ZĂŒrich ein neues, digitales Holzbauverfahren entwickelt: «Spatial Timber Assemblies». Die Methode erlaubt Architekten, geometrisch komplexe Holzmodule effizient zu realisieren.

«Roboter fĂŒgen die Teile auf den Millimeter genau zusammen.»

Das DFAB HOUSE soll in Zukunft Gastforschende der Empa beherbergen.

Wellen statt Kanten

«Die digitale Fabrikation und die Verwendung von Robotern im Bau kann man mit einem 3-D-Druckprozess vergleichen», sagt Matthias Kohler, Professor fĂŒr Architektur und digitale Fabrikation an der ETH ZĂŒrich. «Roboter zerteilen einzelne Elemente wie Holzlatten im exakt richtigen Winkel und fĂŒgen die Teile im Anschluss auf den Millimeter genau zusammen.» Gewellte DĂ€cher und WĂ€nde, die sich heute oft nur in einem zeitaufwendigen Prozess herstellen lassen, könnten also in Zukunft einen Kontrast zu den heutigen, primĂ€r rechtwinkligen GebĂ€udeformen bieten. Die Entwicklung freut Architekten: «Wir erschliessen so total neues Gestaltungspotenzial», sagt Kohler.

Die neue Baumethode wird nun erstmals in einem Architekturprojekt eingesetzt, welches das Forschungslabor verlassen wird: im DFAB HOUSE (siehe Box), das auf dem ForschungsgebĂ€ude NEST der Empa und Eawag in DĂŒbendorf realisiert werden soll. Es ist das erste Mal, dass ein grossmassstĂ€bliches Architekturprojekt mit dem Einsatz von ABB-Robotern im weltweit einzigartigen Robotic Fabrication Laboratory an der ETH ZĂŒrich umgesetzt wird.

Das tragende Holzmodul des mittleren Stockwerks ist nun fast fertig assembliert. Die Roboter haben die einzelnen Holzbalken millimetergenau zugeschnitten und platziert.

Nachhaltiger GebÀudebetrieb

FĂŒr die GebĂ€udeautomation und die Energieverteilung im Pionierbau wird ebenfalls ABB-Technik zum Einsatz kommen. Mit einem KNX-System werden sich die EnergieflĂŒsse im GebĂ€ude nicht nur detailliert messen, sondern auch optimieren lassen. Die Gastforschenden der Empa, die das DFAB HOUSE bereits in naher Zukunft beherbergen wird, werden sich also ĂŒber unzĂ€hlige komfortsteigernde Smart-Home-FunktionalitĂ€ten freuen dĂŒrfen.

«Als Partnerin des Projekts DFAB HOUSE engagiert sich ABB sowohl fĂŒr die Grundlagenforschung als auch fĂŒr den Wissenstransfer zwischen Forschung und Industrie», sagt Bernhard Caviezel, Produktmarketingdirektor bei ABB Schweiz. «Das innovative Bauvorhaben ist ein anschauliches Beispiel dafĂŒr, was wir alles erreichen können, wenn Menschen und moderne Technik Hand in Hand zusammenarbeiten.»