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Der Sonnenberg ruft

Ende Mai lädt das Solarkraftwerk Mont Soleil zu Besuchstagen ein

Am letzten Mai-Wochenende 2015 präsentiert sich das Sonnenkraftwerk auf dem Mont Soleil der Öffentlichkeit. Die gemeinsam mit dem benachbarten Windpark auf dem Mont Crosin abgehaltenen Tage der offenen Tür bieten bemerkenswerte Ein- und Ausblicke für alle Interessierten.

Photovoltaik ist heute in aller Munde – und auf immer mehr Hausdächern installiert. Anfang der 1990er-Jahre führte diese bis dahin in der Raumfahrt eingesetzte Technologie auf Erden noch ein ziemliches Schattendasein. In Europa taten sich nicht etwa die sonnenverwöhnten Mittelmeeranrainer als Pioniere hervor: Elf Schweizer Firmen gründeten 1990 die Gesellschaft Mont-Soleil zur Förderung und Entwicklung der Solarenergie. Diese Gesellschaft installierte 1991/92 das bis dato leistungsstärkste photovoltaische Sonnenkraftwerk des Kontinents im Berner Jura – passenderweise auf dem Mont Soleil, wie der sonnenverwöhnte Höhenzug oberhalb von St. Imier von alters her heisst.

Grösstes Schweizer Solarkraftwerk

Mit seiner Jahresproduktion von durchschnittlich 550 000 kWh – was dem Bedarf von ungefähr 120 Haushaltungen entspricht – ist Mont-Soleil nach wie vor das grösste Solarkraftwerk der Schweiz. Hier wurde seit 1995 auch das bedeutendste private Photovoltaik-Testzentrum der Schweiz aufgebaut.

ABB Schweiz zählt zu den elf Trägerfirmen der Gesellschaft, welche das Kraftwerk primär zu Forschungs- und Demonstrationszwecken erstellt hatten. So konstruierte ABB im Leistungselektronik-Kompetenzzentrum Turgiextra für Mont-Soleil einen Wechselrichter mit einer Nennleistung von 540 kVA, der lange einer der grössten im Betrieb stehenden Photovoltaik-Wechselrichter weltweit war. Er leistete seine Arbeit über 20 Jahre lang einwandfrei und wurde erst im Oktober 2013 durch den Standard-Wechselrichter PVS800 von ABB ersetzt.

Auch ein Forschungsstandort

Gemeinsam mit der BKW Energie AG will ABB Mont-Soleil nun zur Erforschung smarter Technologien im Energiebereich nutzen, etwa in den Bereichen Übertragung, Umwandlung, Speichern und Prognose. So wurde hier im Herbst 2014 das im ABB-Konzernforschungszentrum Baden-Dättwil entwickelte «Cloud Tracking System» getestet, eine Beschattungsvorhersage für das Areal eines Solarkraftwerkes. Damit kann die in den nächsten Minuten durch vorüberziehende Wolken verursachte Leistungsänderung berechnet werden; eine nützliche Information in einem Smart Grid.

Die Tage der offenen Tür am Samstag, den 30., und Sonntag, den 31. Mai, werden koordiniert mit der «Espace découverte Energie» durchgeführt. Die Energie- und Tourismusregion Berner Jura präsentiert eine ganze Reihe von Attraktionen. So verbindet der rund 6 km lange «Sentier des Monts» das Sonnenkraftwerk Mont-Soleil mit dem 16 moderne Turbinen umfassenden Windpark Mont-Crosin, der an jenem Wochenende ebenfalls der Öffentlichkeit präsentiert wird. Unterwegs bieten sich atemberaubende Panoramablicke auf die Alpen und den Jura. Und im Tal führt der «Sentier du Vallon» von der Camille-Bloch-Schokoladenfabrik über die Produktionsstätte des Tête de Moine bis nach Saint-Imier, dem Firmensitz von Longines. Damit bietet er das typisch schweizerische Tourismus-Dreigestirn «Schokolade, Käse und Uhren» auf weniger als 7 km. Im Solarkraftwerk wird unter anderem Nicolas Lorétan, Teammitglied von «Solar Impulse», über die aufsehenerregende Weltumrundung mit dem Solarflugzeug Auskunft geben. Und Hirtenhunde zeigen ihr Geschick mit den Schafen, die als «Bio-Rasenmäher» auf dem Gelände der Solarpanels agieren.

 

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